Interview mit den Fürther Nachrichten

Wie würden Sie den Zustand des TSV beschreiben?

Ralf Steiner: Durchwachsen. Auf der einen Seite haben wir ein schönes Sportgelände mit Vereinsheim, auf der anderen Seite kämpfen wir wie alle Sportvereine mit dem Problem, wie können wir neue Mitglieder gewinnen, beziehungsweise die alten halten? Derzeit treiben rund 600 Menschen beim TSV Sport, in den besten Zeiten waren es rund 750.

Günther Müller: Unser Dilemma ist das unsägliche Thema mit der Turnhalle, die den Verein in den vergangenen drei, vier Jahren gelähmt hat. Bei jeder Sitzung ging es nur um den Umbau und den Streit mit der Gemeinde über den Vertrag und die Eigentumsverhältnisse. Wir waren ein Bauverein, kein Sportverein. Der Sport und Überlegungen darum, das ist auf der Strecke geblieben.

Der Streit mit der Gemeinde um die Turnhalle ist vom Tisch, ein Nutzungsvertrag unterschrieben. Der TSV ist die sanierungsbedürftige Immobilie los, das müsste dem Verein doch insgesamt auch finanziell wieder mehr Luft zum Atmen geben?

Steiner: Wir haben, was die Halle angeht, jährlich rund 4000 Euro ausgegeben. Das waren Kosten für Wasser und Energie, sie sparen wir derzeit. Mit den Hallenkapazitäten kommen wir zwar klar, allerdings klagen ältere Mitglieder, denn die alte Halle lag zentral, jetzt müssen sie den Steigung hoch zum Sportgelände an der Bergstraße. Ein weiteres Manko: Die Halle hier hat keinen Sportboden, weil sie multifunktional genutzt wird.

Müller: Ich persönlich bin nicht glücklich über die Situation. Der TSV hat etwas aufgegeben, was ihm 90 Jahre lang gehörte und muss sich künftig mehr einschränken als zuvor. Sobald der Umbau der Halle im Ort abgeschlossen ist, die Gemeinde geht von Ende 2014 aus, haben wir die alleinigen sportlichen Nutzungsrechte, aber auch nur die. Dafür muss der TSV monatlich 300 Euro Miete an die Gemeinde bezahlen. Nach fünf Jahren wird über diese Zahlungen neu verhandelt.

Was wäre Ihr Wunsch?

Müller: Ich würde mir eine Einfachturnhalle am Sportgelände in der Bergstraße wünschen. Mit entsprechender Eigenleistung und Unterstützung der Gemeinde wäre dies für 600000 bis 700000 Euro umsetzbar. Es ist wichtig, die sportlichen Aktivitäten an einem Ort zu konzentrieren. Fraglich ist, ob seitens der Gemeinde ein Interesse an einer solchen Umsetzung besteht.

Wäre denn so etwas für den TSV überhaupt zu stemmen. Finanziell hängt der Verein doch am Tropf der Gemeinde, oder?

Steiner: Wir haben langfristige Verbindlichkeiten im hohen fünfstelligen Bereich, aber das ist überschaubar und nicht das Problem. Wenn es um Summen bis zu 5000 Euro geht, kein Thema, das haben wir. Aber große Investitionen können wir allein nicht bewältigen, da brauchen wir Unterstützung.

Der Verein muss also mehr Einnahmen erzielen. Wie soll das gelingen?

Steiner: Wir tun ja schon einiges: Die Radsportabteilung veranstaltet jedes Jahr eine große Radtouristikfahrt. Die Fußballabteilung hat eine Sonnwendfeier ausgerichtet und in den Ferien ein Trainingscamp organisiert, ein ähnliches Angebot hatte die Tennisabteilung. Am Herbstmarkt ist der TSV mit einem Stand präsent. Dann beherbergt das Sportheim derzeit noch die Schulkinderbetreuung, auch die bringt 600 Euro im Monat.

Wobei diese Einnahme wegfällt, sobald der Hallen-Umbau im Ort abgeschlossen ist. Wie sieht es denn mit neuen Angeboten aus, sei es im Trendsport- oder im Gesundheitsbereich – die Volkshochschulen machen das doch vor.

Steiner: Das ist ein Problem der Übungsleiter. Leider haben wir nicht genügend Mitglieder, die als Übungsleiter zur Verfügung stehen. Alternativen wären externe Kursangebote, was aber mit weiteren Kosten verbunden ist. Und dann stellt sich die Frage: Sollen unsere Mitglieder da-für bezahlen, und wenn ja – wie viel?

Müller: Wir werden uns dazu noch im Herbst mit allen Abteilungsleitern austauschen und überlegen, wie wir unser Spektrum attraktiver und vielfältiger gestalten können. Dafür brauchen wir kurz-, mittel und langfristige Strategien. Ich persönlich könnte mir eine Kooperation mit Ganztagsklassen in Schulen oder auch in Kindergärten vorstellen, auch eine AG Sport wäre denkbar.

Die Bewirtschaftung, beziehungsweise die Verpachtung des Sportheims bringt ebenfalls Einnahmen. Wie sieht es da aus?

Steiner: Von den Räumlichkeiten her ist das nicht einfach. Auch wenn sich der Sportbetrieb jetzt mehr oben an der Bergstraße konzentriert, von drei bis fünf verkauften Essen am Tag kann kein Pächter leben. Wir haben auch schon versucht, eine vereinsinterne Bewirtschaftung zu organisieren, aber das hat nicht funktioniert.

Bei seinen Anstrengungen ist der TSV sicher weiter auf die Gemeinde angewiesen. Wie ist denn das Verhältnis derzeit?

Müller: Die Gemeinde hat den TSV gut unterstützt, dass es immer wieder Punkte gibt, in denen wir unterschiedlicher Meinung sind, ist völlig normal. Wichtig ist für mich persönlich, ein Interessengleichgewicht zu erzielen. Die soziale Leistung, die wir mit dem TSV gesellschaftlich erbringen, sollte jedoch mehr honoriert werden. Da gibt es Kommunen, die ihren Sportvereinen wohlwollender gegenüberstehen.

Interview : Harald Ehm

(Quellennachweis: Aus "Fürther Nachrichten".)

 

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